Grandioses Spiel für die Spendenkasse
Benefizkonzert: IKS Big Band und Caravan Big Band begeistern beim Auftritt zugunsten der Wohnstätte Herta Max
Seit Jahren eng befreundet sind die IKS Big Band und die Caravan Big Band mit ihren Leitern Horst Aussenhof und Franz-Josef Schwade. Bei Wettbewerben kam es zur ersten Begegnung dieser renommierten Jazzformationen aus Rüsselsheim und Schlüchtern, die sich jetzt am Samstagabend beim Benefizkonzert des Rotary-Clubs Rüsselsheim-Mainspitze und der Werkstätten für Behinderte (WfB) zugunsten des Neubaus der Wohnstätte Herta Max in einem grandiosen Musikereignis gemeinsam präsentierten.
Die beiden engagierten Bandleader sind als Lehrer an Schulen tätig, wo man sich nicht vor synkopierten Rhythmen scheut, und haben in den achtziger Jahren an der Immanuel-Kant-Schule Rüsselsheim und am Ulrich-von-Hutten-Gymnasium Schlüchtern Musikarbeitsgemeinschaften ins Leben gerufen, aus denen sich Big Bands entwickelt haben, die mittlerweile überregional einen hervorragenden Ruf genießen.
Der erste Titel (,,Ulla in Afrika" von Peter Herbolzheimer), mit dem die Caravan Big Band den ersten Programmteil im ausverkauften Stadttheater eröffnete, markierte bereits die stilistische Handschrift des Ensembles: ein klassisch orientierter, gerader Jazz mit Latin- und Funkelementen, bei dem aus dem satten Blechbläser-Hintergrund tänzerischer Esprit und originelle Farben herausspringen.
Gelegentlich überstrahlt eine Piccoloflöte die Saxofonsektion oder Celesta-Klänge sprudeln aus dem Keyboard, und bei ,,Sunday Morning" versteigt sich Felix Blums Trompetensolo in Schwindel erregende Höhenregionen. Franz-Josef Schwade ist ein Strukturalist, der mit traditionellem, klassischem Dirigat die musikalischen Substanzen und den Kern der hochartifiziellen Arrangements herausschält. Seinen Solisten gewährt er freilich den nötigen Freiraum, tritt zur Seite und verfolgt aufmerksam deren virtuose Ausflüge in eruptive Klangausbrüche oder weich artikulierte Linien (Florian Sperzels unprätentiöses, warm tönendes Flügelhorn in ,,Always & Forever").
Die beiden Sänger Torsten Priemer und Theresa Henrich transportieren in ihren Titeln (,,Mack the Knife", ,,Fever") viel Feingefühl und verraten in ihren kraftvollen dynamischen Passagen eine hoch über dem Schlagereinerlei stehende Musikalität. Nachhaltig in Erinnerung bleiben die mit Verhaltenheit und stiller Emotionalität gespielten episodenhaften Abschnitte in ,,Forgotten love", ein Titel des tödlich verunglückten Sohnes Alexander des Bandleaders Schwade. Brillant schließlich das finale ,,La Fiesta", das neben authentischem spanischem Idiom nochmals fulminant spielende junge Musiker zeigte, die auch solistisch kompetent wirkten.
Nach der Pause stürzte sich die IKS Big Band mit zündendem Drive in ihre vom Swing geprägten Beiträge. Vor 20 Jahren stand Horst Aussenhof mit seinen Musikern zum ersten Mal auf der Bühne des Stadttheaters, und nach wie vor besticht die Band mit einer fast mechanisch-mathematischen Exaktheit. Dennoch lassen die über 20 Instrumentalisten alle Sterilität und Kälte, die oft mit Perfektion verbunden ist, in begeisternder Weise beiseite. Sie demonstrieren nicht nur Spaß an der Arbeit, sondern quirlige Vitalität und souveräne, makelfreie Artistik.
Horst Aussenhof lässt, am Rande stehend, seiner Truppe freien Lauf und koordiniert das musikalische Geschehen lediglich knapp - dabei mit ganzem Körpereinsatz - an den Nahtstellen eines Arrangements. Der Rüsselsheimer Kulturpreisträger ist immer wieder für Überraschungen gut: Neben den blendenden Solisten aus den Reihen der Band (besonders auffallend Steffen Mathes, Trompete, und Bernhard Hain, Saxofon, in ,,Joy Spring" oder Garrelt Sieben, Posaune, in ,,Tickle Toe") stellte sich ein neu formiertes Vokalquartett vor: Christina Wehner, Christina Heinrichs, Pavel Mozgovoi und Frank Ebert wehten als flotte Muntermacher durch die Partituren von ,,Juke Box" und ,,Orange Colored Sky". Projektionen an der rückwärtigen Leinwand lieferten dazu die passenden Bilder.
Zu Glenn Millers ,,In the mood" schließlich hopsten fünf Paare einer Wiesbadener Swingtanzgruppe auf die Bühne: Eine in nostalgischen Kostümen steckende Truppe ohne übertriebenes Brimborium, wie man es von hochgezüchteten Rock'n'Roll-Formationen kennt, dafür aber mit umso mehr Geschmack und Natürlichkeit.
Der grandiose, sich auf dreieinhalb Stunden ausdehnende Abend gipfelte in den spektakulären Schlagzeugwirbeln der Perkussionisten Thomas Bachmann und Florian Hermann, und Horst Aussenhof konnte, von den Beifallsstürmen eines begeisterten Publikums begleitet, mit Zufriedenheit frotzeln: ,,Jetzt haben die Jungs die Jacketts abgelegt, damit beim Musizieren die Knöpfe nicht fortfliegen!"
